DS/0521/V – #metoo: Friedrichshain-Kreuzberg stellt sich klar gegen jede Form von sexualisierter Gewalt und Sexismus

Initiator*innen: B’90 Die Grünen/DIE LINKE,
Sarah Jermutus, Annika Gerold, Pascal Striebel, Deniz Yildirim, Dr. Katrin Reuter, Elke Dangeleit

Resolution

Unter dem Hashtag #metoo teilen Menschen weltweit in den sozialen Medien ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und Sexismus. In der deutlich überwiegenden Anzahl der Fälle sind Frauen betroffen. Aber auch Männer werden Opfer von sexualisierter Gewalt. Wieder einmal wird sichtbar, was leider schon immer Realität für Frauen ist: Sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Sexismus sind allgegenwärtig – im öffentlichen und im privaten Raum. Dies verstärkt sich noch, wenn sie lesbisch, bi, trans* oder Frauen of Colour sind oder eine körperliche oder psychische Beeinträchtigung haben.

Mit #metoo wird das Schweigen gebrochen und ein Thema öffentlich diskutiert, das leider viel zu oft viel zu wenig Beachtung erfährt. #metoo macht deutlich: Es geht nicht um „den“ einen Fall, es geht nicht um diese oder jene Prominente, sondern es geht um das ganz Alltägliche. Um das, was vielen Frauen und Mädchen tagtäglich passiert.

Auch dieses Jahr wird am 25. November – dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – wie jedes Jahr durch weltweite Aktionen auf die gegen Frauen ausgeübte Gewalt aufmerksam gemacht. Sexualisierte Gewalt ist vielschichtig, vielseitig und betrifft viele – unabhängig von Alter, (zugeschriebener) Herkunft, Bildungsstand und sexueller Orientierung. Das Gleiche gilt auch für die Täter.

Dieses Thema geht uns alle an. Denn Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch in Berlin und in Friedrichshain-Kreuzberg allgegenwärtig:
14.655 Menschen wurden im Jahr 2016 in Berlin Opfer häuslicher Gewalt, die Mehrheit der Betroffenen (71,5 Prozent) sind Frauen. In Friedrichshain-Kreuzberg wurden 2015 871 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt. Es ist davon auszugehen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist und die Dunkelziffer sehr viel höher liegt.

Viele sexualisierten Übergriffe werden nicht zur Anzeige gebracht, nicht einmal angesprochen, sondern hingenommen und verdrängt: weil den Betroffenen (vermeintlich) ohnehin nicht geglaubt würde, weil sie negative Konsequenzen befürchten, weil die Übergriffe bagatellisiert würden – und weil diese Übergriffe im schlechtesten Sinne „normal“ sind. Eine offensive Thematisierung sowie ausreichende Beratungs- und Unterstützungsangebote sind deswegen unerlässlich, um die Situation Betroffener zu verbessern. Von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen brauchen sicheren Schutz und Beratung. Der Bezirk muss deswegen alles in seiner
Macht Stehende tun, um Frauen*projekte, die wie viele andere vor Verdrängung bedroht sind, zu unterstützen, damit sie im Bezirk bleiben können.

Eine sichere Finanzierung von Frauenhäusern und Beratungsstellen unter Beteiligung des Bundes ist mehr als überfällig. Die Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt) muss ohne Vorbehalte umgesetzt werden. Klar ist: Die Verantwortung liegt immer bei denjenigen, die gewalttätig übergriffig oder anzüglich werden. Eine Täter-Opfer-Umkehr ist gefährlich und nicht akzeptabel. Unterstützt werden Übergriffe von denjenigen, die wissen, zusehen und schweigen. Und das sind viele.

Das gesellschaftliche Klima muss sich ändern. Denn Sexismus besteht auch aus anzüglichen Bemerkungen und schenkelklopfendem Nicht-Ernstnehmen von Frauen, die ihre Positionen in der Öffentlichkeit vertreten. All dies trägt zu dem gesellschaftlichen Klima bei, welches #metoo zu einer traurigen Realität macht.
Es ist deswegen richtig, dass unser Bezirk Sexismus die rote Karte zeigt. Denn es ist eben nicht ok, wenn auf Werbetafeln die Verfügbarkeit der Frau als Objekt propagiert und suggeriert wird, Frauen(körper) wären käuflich und für alle verfügbar.

Die Bilder, mit denen wir in unserem Alltag konfrontiert sind, prägen unseren Blick auf die Gesellschaft. Sie befördern und zementieren so Geschlechterrollenstereotype und (frauen)diskriminierende Denkmuster. Die negativen Auswirkungen von sexistischen, diskriminierenden und frauenfeindlichen Darstellungen in den Medien, insbesondere in der Werbung, sind durch sozialwissenschaftliche Studien vielfach bestätigt. Die immer wiederkehrende herabwürdigende Darstellung von Frauen führt letztlich dazu, dass auch herabwürdigendes, diskriminierendes Behandeln von Frauen als gewöhnlich und legitim betrachtet wird.

Das Schweigen zu brechen, wie es nun bei #metoo passiert, ist ein erster Schritt. Die Verantwortung dafür darf aber nicht allein bei den Betroffenen liegen. Dazu müssen alle beitragen. Die BVV Friedrichshain unterstützt daher alle (Präventions)-Projekte, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufklären, sensibilisieren und die Selbstermächtigung von Betroffenen fördern. Nur so können wir unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Wir wollen ein anderes gesellschaftliches Klima, das Übergriffe und Sexismus ausnahmslos verurteilt und nicht nur, wenn es dem Schüren von rassistischen Ressentiments dient. Die BVV Friedrichshain-Kreuzberg solidarisiert sich mit allen Betroffenen von sexualisierter Gewalt und stellt sich klar gegen jede Form von Sexismus.

Friedrichshain-Kreuzberg, den 06.11.2017
Bündnis 90 Die Grünen/DIE LINKE

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