Gescheiterte Grundschulreform: Unwirksame Früheinschulung abschaffen!

Ein Grüner Antrag, der heute in das Bezirksparlament eingebracht wird, fordert vom Senat die Erhöhung des Schuleingangsalters von fünfeinhalb auf sechs Jahre. Berlin hat seit der Grundschulreform 2004 bundesweit die jüngsten Schulanfänger, ist aber nicht ausreichend auf diese vorbereitet. Schlechtes Abschneiden in Leistungsvergleichen und eine wachsende Zahl von Rückstellanträgen unterstreichen das Scheitern der Reform.

2004 wurde das Einschulungsalter in Berlin im Rahmen einer Grundschulreform von sechs auf fünfeinhalb Jahre gesenkt. Gleichzeitig wurden aber Konzeption und Ausstattung der Grundschulen nicht entsprechend an die jüngeren Schülern angepasst. So beklagen zahlreiche Schulen, für die Umsetzung der Reform personell nicht ausreichend ausgestattet worden zu sein.

„Das schlechte Abschneiden der Berliner Viertklässler im Ländervergleich beweist, dass die vom rotroten Senat beschlossene Früheinschulung nicht funktioniert“, sagt Stadträtin Monika Herrmann (Grüne). Die Quote der Zweitklässler, die nicht versetzt wurde, wächst seit der Reform, sie lag im vergangenen Jahr bei 14 Prozent. „Der Senat muss jetzt die Konsequenzen aus seiner gescheiterten Reform ziehen und die Früheinschulung rückgängig machen!“, sagt Herrmann.

„Hier hat der Senat mal wieder ein Gesetz geändert, ohne sich zu überlegen, wie es sinnvoll umgesetzt werden kann“, sagt Berna Gezik, Mitglied des Fraktionsvorstands und des Bildungsausschusses. „Jüngere Schüler brauchen eine speziell auf sie zugeschnittene Lernumgebung. Diese wurde aber an den allermeisten Schulen bis heute nicht geschaffen.“ Ihre Fraktion fordere deswegen das Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamt dazu auf, sich gegenüber dem Senat für eine Wiedereinführung der Einschulung mit sechs Jahren einzusetzen.

2010 hat der Senat die strikte Rückstellungspraxis der Reform nach zahlreichen Beschwerden gelockert. Seitdem wächst die Zahl derjenigen Eltern, die ihr Kind zurückstellen lassen wollen, kontinuierlich – obwohl die Rückstellung einen hohen Verwaltungsaufwand erfordert und auch auf expliziten Wunsch der Eltern hin nicht immer genehmigt wird. Aktuell liegt die Rückstellquote berlinweit bei etwa 10 Prozent. In Friedrichshain-Kreuzberg wurden 2012 207 Kinder zurückgestellt.