Globales Fairplay in Xhain

Seit dem 20.Juli ist Friedrichshain-Kreuzberg offiziell „Fairtrade-Town“! Der Stachel hat die Bezirksstadträtin für Finanzen, Umwelt, Kultur und Weiterbildung interviewt. Denn Clara Herrmann ist auch unsere „Eine-Welt-Stadträtin“.

Stachel: Als fünfter Berliner Bezirk ist nun auch Xhain „Fairtrade-Town“  Warum erst jetzt?

Clara Herrmann: Ja, es ist richtig, andere Bezirke, wie zum Beispiel Charlottenburg–Wilmersdorf, tragen den Titel „Fairtrade-Town“ schon länger. Für unseren Bezirk war es auch eigentlich nicht so schwierig. Um die Auszeichnung zu bekommen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden Vor allem muss das Engagement für eine gerechte Welt nachgewiesen werden. In Friedrichshain-Kreuzberg wird fairer Handel natürlich längst gelebt, Zivilgesellschaft und Kommunalpolitiker*innen engagieren sich hier und fragen entsprechende Produkte nach. So haben wir zum Beispiel eine  Liste mit 82 Geschäften, die faire Produkte anbieten, zusammengestellt. Um Fairtrade-Town zu werden, hätten wir aber nur 50 Cafés oder Läden benötigt. Wir erfüllen die Kriterien nicht nur, wir übererfüllen sie und setzen uns wesentlich darüber hinaus für eine gerechtere Welt ein. Herzlich bedanken möchte ich mich für den Einsatz bei allen Partner*innen und der Steuerungsgruppe. Jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir sagen: `Wir haben uns den Titel auch wirklich verdient`.

Stachel: Was macht der Bezirk  konkret?

CH: Wir machen uns stark für einen gerechten Welthandel und das auf mehreren Ebenen. Zum einen machen wir Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit für die Friedrichshain-Kreuzberger*innen. So haben wir zu mehreren Kinoabende eingeladen. Wir können so informieren, unter welchen Bedingungen ein T-Shirt hergestellt wird, welche Möglichkeiten ich habe faire Mode zu beziehen,  wenn ich nicht möchte, dass ich mit meiner Kleidung Kinderarbeit, Hungerlöhne oder Umweltverschmutzung unterstütze. Wir haben Licht in den Siegel-Dschungel gebracht und gezeigt wo man im Bezirk fair shoppen gehen kann. Auf unseren Festen, wie dem Sommerfest der Musikschule im Bezirk, haben wir für den fairen Handel geworben. Vor Ort können gleich faire Schokolade oder Kaffee gekostet werden. Zum anderen wird auch in unserer Bezirksverwaltung  fair gehandelter Kaffee getrunken und viele weitere Produkte eingekauft. Über 200 Mitarbeiter*innen der Bezirksverwaltung haben an Fortbildungen teilgenommen. Berlin kauft jedes Jahr Produkte für rund fünf Milliarden Euro ein, eine Menge davon kaufen die Bezirke. Es macht einen Unterschied, ob faire Produkte gekauft werden oder nicht. Daher ist für uns das Thema nachhaltige Beschaffung ein Schwerpunkt. 

Stachel: Was genau wird denn fair beschafft?

CH: In unserem Bezirk ist die Kampagne „Berliner Sport – rundum fair!“ initiiert worden. Gemeinsam mit Partner*innen werben wir für den Kauf von fairen Fußbällen. Damit nicht nur auf dem Platz fairplay gilt, sondern auch das Spielgerät selbst unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurde. Es werden in Schulen und Sportvereinen Informationsveranstaltungen durchgeführt. Als erster Berliner Verein bezieht der Kreuzberger Club Hansa 07 faire Bälle. Gerade befinden wir uns im Austausch mit dem Landesverwaltungsamt, damit die zukünftig faire Bälle in ihr Angebot aufnehmen. Neben den Bällen, nehmen wir uns die Natursteine vor. Wir wollen das berühmte Berliner Pflaster genießen und keine Angst haben, dass Kinderhände die Steine geklopft haben oder Arbeiter*innen unter unwürdigen Bedingungen in unsicheren Steinbrüchen arbeiten müssen. Daher fordern wir in unseren Ausschreibungen von den Unternehmen härtere Kriterien ein, als es das Gesetz vorschreibt. Wir verlangen von den Unternehmen nicht nur die Selbstverpflichtung, dass die ILO-Kernarbeitsnorm eingehalten wird. Wir erwarten unabhängige Prüfsiegel. Damit verbunden ist die Sicherheit, dass unabhängige und regelmäßige Kontrollen vor Ort durchgeführt werden. 

Stachel: Der Titel Fairtrade-Town klingt auch gut, spielt das eine Rolle?

Natürlich werden wir das auch für unser Bezirksmarketing nutzen. Das ist für uns aber ein willkommener Nebeneffekt. So wie wir nicht einfach nur den Titel wollten, ist er jetzt Ansporn uns noch stärker für eine fairere Welt zu engagieren. Fairtrade-Towns haben auch eine Vorbildwirkung. Im Zentrum steht, dass wir die Globalisierung gerechter gestalten wollen. Es ist nicht egal, welche Produkte der Bezirk einkauft. Wir wollen unsere Marktmacht nutzen. Und das nicht alleine, sondern andere Bezirke, das Land und viele Menschen davon begeistern. Wenn keine*r etwas ändert, kann es nicht besser werden. 

Stadträtin Clara Herrmann im Interview für den Stachel August 2018