Schutz für Menschen ohne Papiere

Verdi fördert eine Beratungsstelle für illegalisierte Arbeitnehmer in Berlin

Vor sechs Jahren stand Barbara Miranda draußen vor der Tür. Drinnen trafen sich die Großen und Wichtigen zum 1. Dienstleistungskongress von Verdi im Berliner ICC, vor der Tür demonstrierten tapfer und lautstark einige hundert Frauen und Männer für ihre Anerkennung als Arbeitnehmer. Barbara Miranda aus Chile war eine von ihnen. Heute ist sie eine von den von Verdi geschulten Beraterinnen für die in Berlin lebenden Arbeitnehmer ohne Papiere. Das sind Menschen aus aller Welt, die ohne Aufenthaltsstatus auch keine Arbeitserlaubnis bekommen, keinen Anspruch auf Sozialhilfe haben und immer im Schatten leben müssen, sonst droht ihnen die Abschiebung. Jeden 2. und 4. Mittwoch beraten die ehrenamtlich tätigen Frauen jeden, der oder die sich traut hierher zu kommen.

Beratunghsstelle geöffnet

Den letzten Anstoß zur Gründung des Berliner Beratungsbüros waren die positiven Erfahrungen einer ähnlichen Initiative in Hamburg. Nach der offiziellen Eröffnung, am 11. März, wagten sich zum nächsten Termin bereits drei Personen in das kleine Büro an der Köpenickerstrasse zwischen Kreuzberg und Mitte an der Spree gelegen.

Etliche riefen auch an und vereinbarten Gesprächstermine außerhalb der Sprechzeiten. Ein guter Start findet Jürgen Stahl, der verantwortliche Leiter von Verdi: “Natürlich gehen die Kollegen im Falle eines Prozesses ein Risiko ein abgeschoben zu werden. Darüber informieren wir auch. Aber in den meisten Fällen reicht es, dass der Arbeitgeber weiß, der Kollege hat unsere Unterstützung, dann lenkt er schon ein.”

In Berlin leben nach Einschätzung des Deutschen Ärzteblattes 250.000 Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung. Vielen von ihnen arbeiten. In Kneipen, in Haushalten, in Restaurantküchen, als Taxifahrer und auf dem Bau. Laut Miranda gehörten sexuelle Übergriffe, Lohndiebstahl und schlicht Ausbeutung zu den Erfahrungen, die fast jeder der Sans Papiers schon gemacht hätte. Und viele trauen sich nicht sich zu wehren! Das will die Initiative “Undokumentierte Arbeit”, ein Netzwerk aus vielen Trägern und Kreisen der Migrantencommunities, Eine Welt Arbeit und dem Fachbereich 13 von Verdi ändern. Hier können die Illegalisierten Mitglied von Verdi werden. Ohne Ausweis, ohne Stempel. Verdi berät sie in Fragen des Arbeitsrechtes und vertritt sie gegebenenfalls auch vor Gericht. Ziel der Initiative ist es, dass die Menschen als Arbeitnehmer anerkannt werden unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Sie wollen raus aus ihrer Opferrolle. Sie wollen die Legalisierung.

Das Netzwerk wächst

Das Netzwerk ist im Wachsen und offen für weitere Impulse und für alle Menschen von überall da. In den Öffnungszeiten steht die individuelle Beratung im Vordergrund. Miranda und Stahl hoffen, dass möglichst viele Menschen den Weg zu ihnen finden: Für manchen kann dieser Schritt der erste in eine legale Existenz in Deutschland sein.

Barbara Fischer

Kasten Anlaufstelle für undokumentierte Arbeitnehmer/innen ver.di Landesbezirk, Köpenicker Str. 30, 10179 Berlin, Raum E 10 (Erdgeschoß) Jürgen Stahl und Barbara Miranda Tel: 030.8866-5622 (nur während der Beratungszeit) Email: ak-undokumentierte-arbeit.berlin@verdi.org

Öffnungszeiten: 2. Mittwoch im Monat von 9:00 -11:00 Uhr 4. Mittwoch im Monat von 18:00 -20:00 Uhr