Stadtgrün für mehr Klimaschutz

Seit Beginn der Wetteraufzeichnung wurde kein heißeres und trockeneres Jahr als 2018 verzeichnet – ein trauriger Rekord. Auch 2019 ist deutlich zu trocken und stellt die ausgetrocknete Stadtnatur vor eine weitere Herausforderung. Der Klimawandel wird immer mehr zur Realität.

Diese Realität bedeutet häufiger auftretende Unwetter, Starkregenereignisse und lang anhaltende Trockenperioden. Das immer extremer werdende Wetter ist allerdings nur ein Vorgeschmack auf das, was uns blüht, wenn wir den CO2-Ausstoss nicht in den Griff bekommen und sich der Planet noch weiter erhitzt. So unerfreulich es auch ist: wir müssen uns für den Klimawandel wappnen und die Stadt vorbereiten.

Mit dem BEK (Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm) leisten wir Berlins Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel. Neben diesen Anstrengungen müssen wir aber auch deutlich mehr dafür tun, dass unsere Stadt an den Klimawandel angepasst wird. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die wichtigen grünen Oasen – die Parks, Freiflächen, Wälder, Naturschutzgebiete und Freiräume erhalten und schützen. Ein gesundes, vielfältiges Stadtgrün ist der Schlüssel für eine lebenswerte Stadt. Grün gehört – genau wie die Verkehrsinfrastruktur, Schulen oder Krankenhäuser – zur öffentlichen Grundversorgung einer modernen Metropole.  

Noch kann kaum eine andere Großstadt weltweit so viel Grün aufweisen wie Berlin. Über 430.000 Straßenbäume, 2.500 öffentliche Grünanlagen mit insgesamt rund 6.500 Hektar und etliche Wälder, welche ein Fünftel an Berlins Gesamtfläche ausmachen, prägen das Bild der Stadt.

Stadtgrün unter Druck

Durch das starke Wachstum und den hohen Druck neuen Wohnraum zu schaffen, steht das Stadtgrün jedoch unter enormen Druck. Die wachsende Stadt wittert hinter jeder unbebauten Fläche Nachverdichtungspotenzial; hier ist eine Stadtentwicklung gefragt, die flächensparend baut, entsiegelt statt versiegelt und gleichzeitig ökologische Freiräume sichert.

In einem Dreiklang aus Flächensicherung, Stärkung des Stadtgrüns und strategischem Ankauf wollen wir unsere Stadt ergrünen lassen. Bereits im Haushalt für die Jahre 2018 und 2019 haben wir die Finanzmittel in diesen Bereichen massiv erhöht – als Beispiel seien hier Mittel für Straßenbäume, die Sanierung der Grünanlagen und für den Umbau der Berliner Wälder genannt. Zudem haben wir einen Fonds aufgelegt, aus dem Grünflächen angekauft und gesichert werden. 

Wir geben uns mit dem bisher Erreichten aber nicht zufrieden und werden noch in diesem Jahr die Charta Stadtgrün verabschieden, die in einem partizipativen Prozess mit der Zivilgesellschaft entwickelt wurde. Die Charta basiert auf drei strategische Säulen: Erstens das Stadtgrün insgesamt zu erhalten und auszuweiten, zweitens den veränderten Nutzungsanforderungen und damit auch insbesondere den Klimaveränderungen Rechnung zu tragen, und drittens die Vielfalt, Qualität und Pflege des städtischen Grüns abzusichern.

Zusätzlich zur Charta arbeiten wir derzeit daran, dass wir im Haushalt 2020/21 mit grüner Tinte im Bereich des Naturschutzes unsere Vorhaben durchsetzen. Zentral ist hierbei für mich vor allem die Bezirke mit mehr Mitteln auszustatten, damit sie z.B. unsere Stadtbäume besser pflegen können. Hier wurde in der Zeit des „Sparen bis es quietscht“ massiv eingespart – heute hat jeder Bezirk pro Jahr und Straßenbaum nur gut 40€ zur Verfügung,  2001 waren es noch 61€. Damit die Bäume auch die vorhersehbaren Hitzeperioden in den kommenden Jahren überleben, müssen wir mehr investieren. Ich trete dafür ein, dass wir für jeden Straßenbaum 80€ veranschlagen.

Mehr grün statt grau

Zusätzlich brauchen wir weitere politische Instrumente, damit nicht das Grau, sondern das Grün in unserer Stadt wächst. Ich setze mich in diesem Zusammenhang dafür ein, dass jede Bautätigkeit mittels eines Finanzinstrumentes, dem „Naturcent“, dafür sorgt, dass mehr Geld in die Kasse für den Naturschutz kommt. Der „Naturcent“ soll sich an den steigenden Grundsteuereinnahmen bemessen – diese bedeutet: wenn gebaut wird, fließt Geld für den Naturschutz.

Des Weiteren müssen wir auch den Ankauffonds ausweiten und mehr Flächen ankaufen, die für Flora und Fauna reserviert werden.
Wir Grüne haben in dieser Legislaturperiode noch viel vor und arbeiten weiter daran, dass Berlin grün bleibt bzw. noch grüner wird.

Dr. Turgut Altug, MdA für den Stachel September 2019