Zurück zu den Wurzeln: das Schwule Museum möchte wieder nach Kreuzberg

Besuch im Schwulen Museum

Am Montag nach dem Dyke March und Online-CSD hat die Grüne BVV-Fraktion Xhain das Schwule Museum (SMU) in Tiergarten besucht. Das 1985 in Kreuzberg gegründete Museum hat dor

t seit 2013 seine Räume, inklusive Archiv.

Das Vorstandsmitglied* Dr. Birgit Bosold führte uns durch die aktuelle Ausstellung „Love at First Fight! Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall“, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut New York im Rahmen von „Queer as German Folk“ entstanden ist. Der besondere Clou an ihr ist, dass sie komplett digital erstellt ist. Jedes Exponat lässt sich selbst drucken, die Kleiderständer, an denen die Exponate hängen, können nachgebaut und die Videos vorgeführt werden. Die Ausstellung kann so in der ganzen Welt gezeigt werden. In Nord- und Mittelamerika ist dies schon geschehen.

 

Die dreitägigen Stonewall Riots im Juni 1969 in New York waren der Startschuss für den modernen queeren Aktivismus weltweit. Aber auch in Deutschland ist schon vor dieser Zeit viel geschehen. Diese Geschichte wird erzählt, vom Ost-, West- wie gesamtdeutschem Aktivismus gleichermaßen. Auch die Vordenkerin der transatlantischen queeren Bündnisse, Audre Lorde, hat einen Kleiderständer abbekommen. Ab dem 9. August ist das alles online unter http://queerexhibition.org/ anzuschauen.

Mit der Ausstellung „100 Objekte-An Archive of Feelings“, geordnet nach Freude, Fürsorge, Begehren, Wut und Angst bietet das SMU einen kleinen Einblick in sein riesiges Archiv, das langsam aus allen Nähten platzt.

Davon konnten wir uns im wohl temperierten Keller selbst überzeugen. Viele Nachlässe von queeren Personen befinden sich dort unten, die gemeinsam von Wissenschaftler*innen und Ehrenamtlichen sortiert und kategorisiert werden müssen. Unter anderem gibt es einen Fundus von ca. 200 000 unarchivierten Negativen der lesbischen Fotografin Petra Gall, die 2018 verstorben ist sowie Arbeiten von Jürgen Baldiga, der die HIV-Aktivist*innen West-Berlins fotografisch begleitet hat.

Das 1919 von Magnus Hirschfeld gegründete Institut für Sexualwissenschaft wurde 1933 während der Bücherverbrennung von den Nationalsozialisten geplündert und vernichtet- auch diese Lücke an verlorenem Wissen versucht das Archiv des Schwulen Museums zu schließen. So sind beispielsweise Exponate von Fotografien der „Männerdarstellerin“
– heute Drag King genannt – Vesta Tilley, die in den 1920ern sehr beliebt waren, im Bestand.

 

Wieder zurück dahin, wo alles begann

Das Schwule Museum war und ist zunehmend von Gentrifizierung und schnödem Platzmangel bedroht. Auf der Suche nach einem neuen Haus würden sie gern in alte Gefilde zurück: nach Kreuzberg. Darüber und die Schwierigkeiten eines eventuellen neuen Namens haben wir im Anschluss diskutiert.

„Queeres Museum“ wäre inklusiv und internationaler, aber würden es alle, vor allem in Deutschland, verstehen? „Schwules Museum“ polarisiert -leider- sehr gut und würde die radikalen Wurzeln der Gründung weiterhin in den Vordergrund rücken. Das Rätsel um das einstige Sternchen hinterm „Schwules“ wurde gelöst: er wurde von trans Aktivist*innen im Rahmen einer Ausstellung rangepappt und war stets umstritten.

Den Antrag „Unterstützung der Rückkehr des Schwulen Museums (SMU) nach Kreuzberg“ (DS/1665/V) haben wir in der Bezirksverordnetenversammlung vom 17. Juni eingebracht.

Bis es soweit ist, lohnt sich der Ausflug in den Tiergarten aber allemal, das Museum hat geöffnet, die Öffnungszeiten findet Ihr hier: https://www.schwulesmuseum.de/besuch/#/