Frauen und Obdachlosigkeit

Die Frauennotübernachtung „Am Wassertor“ gibt es seit November 2012. Sie ist eine der ersten Einrichtungen ausschließlich für Frauen im Rahmen der Berliner Kältehilfe.

Träger der Einrichtung ist das Diakonische Werk Berlin Stadtmitte e. V. Von November bis März stellt sie täglich ab 20 Uhr 15 Schlafplätze für Frauen ohne Obdach zur Verfügung. Dort erhalten sie eine warme Mahlzeit, können duschen und ihre Wäsche waschen. Am Morgen gibt es noch ein Frühstück.

Betrug die Auslastung in den Vorjahren stets zwischen 90 und 100 Prozent, so ist die Notübernachtung in diesem Jahr nicht voll ausgelastet. Dass sich die Situation etwas entspannt hat, liegt unter anderem daran, dass es inzwischen mehr Kältehilfeplätze nur für Frauen gibt, erklärt die Leiterin der Einrichtung, Frau Doreen Glamann.

90 m² und 15 Isomatten

Die Frauen übernachten im Raum der Tagesstätte für Wohnungslose, die vom Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte e. V. an derselben Adresse geführt wird. Die Tische, an denen tagsüber sowohl Männer als auch Frauen in sozialen Notlagen Hilfe und Unterstützung finden, dienen den Frauen in der Nacht als Abgrenzung zwischen den einzelnen Isomatten. Das hat sich bewährt, denn manche Frau zieht die Unterbringung in dem insgesamt ca. 90 m² großen Raum einem Einzelzimmer, welches andere Unterkünfte für Frauen anbieten, durchaus vor. Denn dann „sind sie nicht allein mit ihren Gedanken“, berichtet Frau Glamann.

Viele der Frauen, die hier übernachten, nutzen auch das Angebot der Tagesstätte. Hier werden Hilfe und Beratung bei der Suche nach geeigneten Wohnformen, bei Problemen mit Ämtern, Suchtproblemen oder die Weitervermittlung an fachspezifische Einrichtungen angeboten. Es gibt Essen und Trinken, Duschen und Hygieneartikel und auch Spenden (z. B. Lebensmittel und Kleidung) werden ausgegeben.

Frauen in Not

Die Nachtschicht in der Notübernachtung wird in der Regel von zwei Studentinnen übernommen. Sie nehmen die Frauen in Empfang, geben Bettzeug aus und kochen, oft gemeinsam mit den Gästen. Dabei werden Gespräche geführt und Kontakt und Vertrauen zu den Frauen aufgebaut. Kein leichter Job, auch nicht für die oft im sozialen Bereich studierenden Mitarbeiterinnen. Denn 70 bis 80 Prozent der Frauen, die in die Notübernachtung kommen, leiden an psychischen Erkrankungen. Häufig werden Frauen aus überbelegten Frauenhäusern geschickt oder nach Vorfällen häuslicher Gewalt direkt von der Polizei vorbei gebracht. Oft befinden sie sich dann in psychischen Ausnahmesituationen.

Bessere Bedingungen

Nach ihren Wünschen gefragt, beschreibt Doreen Glamann, dass es Verbesserungen in der Zusammenarbeit mit der Gesundheitshilfe (insbesondere die psychiatrischen Abteilungen der Krankenhäuser sind völlig überlastet) und bessere Bedingungen für die Frauenhäuser (mehr Hilfsangebote in Fällen von häuslicher Gewalt) braucht.

Ebenso wünschenswert ist ausgebildetes Personal mit festen Stellen, welches geschult für Krisensituationen ist. Darüber hinaus spielt auch die Versorgung pflegebedürftiger Menschen inzwischen zunehmend eine Rolle. So wäre es hilfreich, beispielsweise ambulante Pflegedienste in Tagesstätten und Unterkünfte zu integrieren. Denn die Versorgung pflegebedürftiger Gäste kann das Personal der Einrichtung nicht fachgerecht leisten.

Um den besonderen Anforderungen wohnungsloser Frauen gerecht zu werden, wäre eine Statistik über konkrete Bedürfnisse hilfreich, erläutert Frau Glamann, die seit 20 Jahren in der Wohnungslosenhilfe tätig ist. So könnten zielgerichtete und bedarfsgerechte Angebote unterbreitet werden.

Bemerkenswert ist, dass eine große Anzahl der Frauen, von denen die meisten in der Kälteperiode bereits seit langen Jahren in die Notübernachtung kommen, in jedem Frühjahr/Sommer einfach wieder „verschwindet“. Das zeigt, dass in der Kältehilfe Menschen auftauchen, die man sonst nicht erreicht, bemerkt Frau Glamann am Ende des Gesprächs. Diese Chance sollte genutzt werden, um denen, die von den standardmäßigen Angeboten der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe bisher nicht profitieren, notwendige Unterstützung auch unterjährig zukommen zu lassen.

Claudia Schulte, Bezirksverordnete Bündnis 90/Die Grünen für den Stachel März 2019

 

Notübernachtung für obdachlose Frauen
in den Räumen der Tagesstätte „Am Wassertor“
Segitzdamm 46, 10969 Berlin
Tel. 030 – 615 63 24
Öffnungszeiten:
täglich 20.00 bis 8.00 Uhr
(letzter Einlass 22.00 Uhr)