Gemeinschaftsschulen in Berlin als Regelangebot

Bildungspolitik ist Ländersache und damit einer der größten Gestaltungsbereiche der Stadt Berlin. Als Rot-Rot-Grüne Koalition stehen wir vor der Herausforderung, wie wir es schaffen, die Berliner Bildungslandschaft so zu gestalten, dass alle Kinder optimale Bildungsvoraussetzungen und individualisierte Förderung erhalten können. Für mich als bildungspolitische Sprecherin der Grünen Abgeordnetenhausfraktion gehört dies zu den zentralen Aufgaben der neuen Koalition.

Berlin steht vor vielen Herausforderungen: marode Schulen, steigende Schüler*innenzahlen, fehlende Lehrkräfte. Und nun auch noch Gemeinschaftsschule? Das mag nach Erfahrungen aus Hamburg, Baden-Württemberg oder NRW zunächst verschrecken, doch genau jetzt ist es notwendig diese Debatte zu führen.

Einige Schulen haben sich schon auf den Weg gemacht, viele stehen in den Startlöchern. Der Wunsch von Schulkollegien, aber vor allem auch vielen Eltern zeigt, dass die Gemeinschaftsschule in Berlin Potential hat. Ein Pilotprojekt mit insgesamt 24 Schulen startete dazu im Schuljahr 2008/2009. Auch in Xhain haben wir bereits mit der Carl-von-Ossietzky-Schule und der Lina-Morgenstern-Schule zwei Gemeinschaftsschulen, die sich gerne mit ihrem Konzept der Gemeinschaftsschule weiterentwickeln würden.
Gemeinsames Lernen

Als R2G wollen wir dies unterstützen. Im Koalitionsvertrag haben sich die drei Parteien geeinigt, dass die Gemeinschaftsschule tatsächlich und rechtlich stärker verankert werden soll und als ersten Schritt in das Berliner Schulgesetz aufgenommen wird. Dabei ist es wichtig, das Konzept Gemeinschaftsschule bereits schon mitzudenken und in den Oberstufen der neuen Schulform die Vorteile von ISS und Gymnasien zusammenzuführen.

Das bedeutet nicht Schulformen gegeneinander auszuspielen, sondern ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder zu ermöglichen und die individuellen Stärken jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers in den Vordergrund zu stellen.

Schulsanierungen angehen
Das bedeutet auch, dass es an der Gemeinschaftsschule möglich sein soll, alle Abschlüsse zu erreichen mit dem Ziel auch jedem Kind den angestrebten Abschluss zu ermöglichen. Diese neue Reform zur Förderung der Gemeinschaftsschule soll auf den bestehenden Konzepten aufbauen und hängt auch eng mit der Schulentwicklungsplanung in den Bezirken zusammen. Unser grünes Anliegen ist dabei nicht aus dem Nichts neue Schulen aus dem Boden zu stampfen, sondern zu überlegen wie verstärkte Kooperationen, u.a. im Bereich Grundschule und Oberstufe, die dringend notwendigen Sanierungen in den Bezirken mit Blick auf die zunehmenden Schüler*innenzahlen möglich sind und befördert werden können.

Die Gemeinschaftsschule bietet uns die Möglichkeit unser Schulsystem qualitativ und mit Blick auf die Herausforderungen der Zeit weiterzuentwickeln und zu verbessern. Die Gemeinschaftsschule ist eine besondere Schulform, insbesondere weil die Schulkultur und das Selbstverständnis von einem besonderen Geist geprägt sind. Hier steht jedes einzelne Kind mit all seinen Besonderheiten und dem Ziel des bestmöglichen Lernerfolges positiv im Mittelpunkt pädagogischen Handelns. Wir wollen der Gemeinschaftsschule daher einen festen Platz in der Berliner-Schullandschaft geben. Wir Grüne werden deshalb in Kooperation mit den Schulen, den Akteuren in der Bildungslandschaft und Eltern diesen Weg jetzt gehen.

Marianne Burkhard-Eulitz, Mitglied des Abgeordnetenhauses