Offene Gesellschaft: Interkulturelle Vielfalt, Chancengleichheit, Teilhabe

Friedrichshain-Kreuzberg ist bunt, vielfältig und weltoffen. Diese Mischung ist einzigartig. Und genau das lieben wir. Wir wollen diese Vielfalt gestalten, damit hier jede und jeder, egal welcher Herkunft, Weltanschauung, Geschlecht, sexuellen Orientierung, Alter oder körperlichen Merkmale glücklich werden kann. Wir wollen die Verwirklichungschancen von allen verbessern − durch Bildung und Ausbildung, durch soziale, politische und kulturelle Teilhabe und durch Gleichberechtigung und ein Mehr an Mitgestaltung.

Das haben wir erreicht:

• Bereits im Sommer 2010 wurde in unserem Bezirk ein Netzwerk gegen die Diskriminierung von Muslim*innen ins Leben gerufen. Dieses Netzwerkist inzwischen auf ganz Berlin ausgeweitet worden.
• Wir haben das Volkshochschul-Angebot an Sprachkursen massiv ausgebaut,es gibt Arabisch-Schnellkurse für Helfer*innen von Geflüchteten.
• Wir haben eine Interkulturelle Familienbibliothek in der Adalbertstraßeaufgebaut.
• Es wurde eine Anlauf- und Beratungsstelle für Sinti und Roma geschaffen,die bei der Suche nach Wohnraum, Kita-Plätzen, Schulen und Jobs hilft.

Anerkennung und Teilhabe fördern

Wir wollen in unserer Gesellschaft ein Klima schaffen, in dem sich alle Menschen wohlfühlen und lernen, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Unterschiede wertzuschätzen. Das friedliche Zusammenleben mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, das Kennenlernen verschiedener sexueller Identitäten, das Erlernen anderer Sprachen, die Wertschätzung von Mehrsprachigkeit sowie religiöser und kultureller Vielfalt sind unser Verständnis von Gesellschaft. Denn nur so gelingt Teilhabe. Diesen Weg werden wir konsequent weiter gehen.
Wo unterschiedlichen Menschen aufeinander treffen gibt es neben kreativen Synergieeffekten auch Spannungen und Herausforderungen. Friedrichshain-Kreuzberg ist geprägt davon, dass kreative Lösungen von unten entstehen und nicht von oben vorgegeben werden. Das werden wir weiterhin fördern, indem wir Räumlichkeiten und andere Unterstützung zur Verfügung stellen.

Einbürgerung erleichtern

Teilhabe setzt demokratische Rechte und die Freiheit von Diskriminierungen voraus. Es ist eine Ungerechtigkeit, dass Menschen ohne deutschen Pass oder europäische Staatsangehörigkeit, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben, von der politischen Mitwirkung weitgehend ausgeschlossen sind. So müssen sie den gleichen Pflichten nachkommen, ohne von den gleichen Rechten profitieren zu können. Wir fordern daher die kommunale Mitbestimmung und das kommunale Wahlrecht für alle, die hier im Bezirk ihr Zuhause haben. Zudem setzen wir uns für eine erleichterte Einbürgerung ein.

Sprachliche und kulturelle Barrieren weiter abbauen

Nur wer die Landessprache beherrscht, kann auch am gesellschaftlichen Leben voll teilhaben. Wir haben daher in den letzten Jahren die Anzahl der Sprachkurse an der Volkshochschule enorm erhöht und werden an ihrem weiteren Ausbau arbeiten. Besonders wichtig ist uns, dass Kinder vor der Einschulung Deutsch sprechen können. Da hilft kein erhobener Zeigefinger, sondern einer attraktive und engmaschige Kita-Landschaft. Hinzu kommen familienunterstützende Lernprojekte und mehrsprachige Leseangebote, die wir modellhaft in der interkulturellen Familienbibliothek in der Adalbertstraße aufgebaut haben.

Spielerisch lernen

Die Kombination von Spracherwerb oder Alphabetisierungskursen mit anderen Aktivitäten wie gemeinsamem Kochen, Sport oder Spaziergängen durch den Bezirk schafft eine größere Alltagsnähe beim Sprachenlernen und führt zu neuen sozialen Beziehungen. Sprachkurse für Auszubildende könnten enger in die Ausbildung integriert oder bei Erwerbsarbeitenden in den betrieblichen Alltag eingeflochten werden. Wir wollen den aktiven Umgang mit der Herkunftssprache bei Kindern und Jugendlichen stärker fördern. Über die bestehenden Schulen mit besonderen sprachlichen Angeboten hinaus wollen wir deshalb auch weitere zweisprachige Kitas einrichten.

Die Arbeit von Familien- und Nachbarschaftszentren ausbauen und soziale Angebote verstetigen

In den von uns geschaffenen Familienzentren in allen acht bezirklichen Sozialräumen werden rund um die Bedürfnisse der Kinder und Eltern die sprachlichen und kulturellen Barrieren spielerisch überwunden. Auch die Quartiersmanagements leisten wertvolle Arbeit zur Verbesserung der Lebensqualität. Wo ihre Finanzierung ausläuft, werden wir die wegfallenden Angebote auffangen, indem wir den Ausbau von Familien- und Nachbarschaftszentren weiter vorantreiben.

Die Migrationsbeauftragte und den Beirat für Integration und Migration weiter stärken

In unserem Bezirk gibt es nicht nur den bundesweit ersten Beirat für Integration und Migration, sondern wohl auch den aktivsten. Das hat einen einfachen Grund: Hier hat er die meisten Beteiligungsrechte und kann Anträge direkt an das Bezirksamt und die BVV richten. Unser Ziel ist weiterhin, Migrant*innen direkt und repräsentativ in alle Gremien mit einzubeziehen.

Der Vielfalt ein Gesicht geben − interkulturelle Verwaltung

Wir wollen unsere bunte und gleichberechtigte Gesellschaft auch in den öffentlichen Institutionen abbilden. Daher treiben wir die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und die Förderung der interkulturellen Kompetenz des Personals voran. Dies ist ein Prozess, der verstetigt und immer wieder angepasst werden muss. Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationsgeschichte, die in verschiedenen Abteilungen der bezirklichen Verwaltung qualifiziert werden, ist bereits heute nirgends so hoch wie in unserem Bezirk. Darauf sind wir sehr stolz. Auch die freien Träger in der Jugend- und Sozialarbeit sollen sich weiter interkulturell öffnen. Und es ist an der Zeit, auch Migrant*innenselbstorganisationen stärker einzubeziehen, zumal sie bereits heute in ehrenamtlicher Arbeit wichtige soziale Aufgaben übernehmen.

Vielfältige Weltanschauungen, Trennung von Staat und Religion

Egal was jemand glaubt oder nicht glaubt, ihm dürfen keine Vor- oder Nachteile daraus entstehen. Die Religions- und Glaubensfreiheit findet ihre Grenzen dort, wo im Namen von Religion die Menschenrechte anderer eingeschränkt oder gar verletzt werden; sei es die Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen, sei es die Freiheit vor Diskriminierung für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle und allgemein für alle Andersdenkenden, Andersglaubenden, Anderslebenden. Entscheidend ist, dass alle Religionen gleich behandelt werden. Es bleibt unsere Aufgabe, den lebendigen Dialog zwischen allen hier ansässigen Religionen weiter zu unterstützen und die Kultur der Toleranz, des Respekts und der Aufgeschlossenheit aktiv zu fördern.

Antirassismus heißt auch immer Antikolonialismus

In Berlin existieren sehr gute Ansätze einer Erinnerungskultur zur deutschen Kolonialgeschichte. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass im schulischen Themenfeld der Zusammenhang zwischen Menschenrechten, Rassismus und Diskriminierung gründlicher aufgegriffen wird. Wir finden es zudem an der Zeit, dieses Thema mit den Ursachen für Flucht und den wirtschaftlichen Machtbeziehungen in der heutigen postkolonialen Welt zu verknüpfen.