Filmkritik: ANOTHER GLORIOUS DAY

Ein Kinodokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies

Abgefilmtes Theater kann bekanntlich nerven. Aber hier machen Karin Kaper und Dirk Szuszies, die bereits vor fünf Jahren mit “Resist!” die Arbeit des “Living Theatre” beschrieben, durch fließende Überleitungen aus der Bühnenaufführung in die Spielszenen der Truppe auf dem Berliner Oranienplatz am 1. Mai 2008 und durch stimmiges Einflechten von Hintergrundinterviews das Theater in seiner puren Form spannungsvoll spürbar: Aktion, Katharsis und Reaktion. “Wir leben alle in einem Gefängnis, sei es, dass wir in der Struktur der Arbeit oder der des Geldsystems gefangen sind”, sagt die 83-jährige Regisseurin Judith Malina. Seit über 60 Jahren leitet sie mit ungebrochenem Idealismus das “Living Theatre”: “Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir mit dem Schrei des Körpers beginnen.” Ihr kraftvolles Theater aus Stimmen und Körpern ist kein selbstbezogenes Regietheater, keine auf die Bühne verirrte Dokusoap. “Wir sind”, meint einer der Darsteller, “eine verlorene Stimme gegen den Zynismus der Kritiker, die sagen, dass Kunst nichts verändern kann.” Mit “Another Glorious Day” gönnen sich Zuschauer sicherlich keine entspannte Kinounterhaltung, aber die Gewissheit, dass Theater aufrütteln und verwandeln kann. Dorothee Tackmann

Premiere am 19.11. im Kino Eiszeit in Anwesenheit der Regisseure Infos: www.karinkaper.com