Grüne Oasen in Xhain

Natur ist sicherlich nicht das, wofür Friedrichshain-Kreuzberg berühmt ist. Xhain ist der am dichtesten besiedelst Bezirk Berlins, gerade deshalb sind Grüne Oasen zum Durchatmen überlebensnotwendig.

Grün- und Freiflächen, Bäume, Orte, an denen sich Tiere und Pflanzen entfalten können, bedeuten auch für uns Menschen Lebensqualität. Die Verdichtung und die damit einhergehenden Flächenkonkurrenzen erschweren den Naturschutz an vielen Stellen. Doch ohne verstärkte Anstrengungen und konkrete Maßnahmen gegen die Hitze in den Betonwüsten des Bezirks, gegen die schlechte Luft, gegen die zunehmend spürbaren Auswirkungen der Klimakrise wird es immer schwieriger, das Leben im Bezirk in den kommenden Jahrzehnten angenehm zu gestalten.

Grünstudie

Ein ganzes Bündel an Potentialen und möglichen Maßnahmen zeigt unsere Grünstudie auf. Wir wollen einen lebenswerteren öffentlichen Raum schaffen, was insbesondere bedeutet, dass wir die Flächen gerechter verteilen müssen. Dies ist aus ökologischen, klimatischen und sozialen Gesichtspunkten dringend notwendig. Wo können wir in Zukunft noch an tropischen Hitzetagen Abkühlung finden, wo können wir ohne teure Beiträge zahlen zu müssen Sport machen oder ohne Räume zu mieten den Geburtstag der Tochter feiern. Für all das brauchen wir Grüne Oasen mit Wasser und keine Beton- und Blechwüsten. Dafür müssen wir radikal umdenken und umbauen: Weniger versiegelte Flächen, mehr und schönere grüne Oasen, mehr Bäume, frei zugängliche Orte am Wasser. Die Studie macht dazu ambitionierte Vorschläge für Veränderungen im Bezirk, von denen ich hier drei beispielhaft aufführen möchte :

  • Stadtplätze wie der Boxhagener Platz werden durch den Rückbau der umliegenden Straßen erweitert, begrünt und Versickerungsmöglichkeiten geschaffen. Dadurch entstehen Orte, die zum Verweilen einladen und für das Mikroklima im Kiez wertvoll sind
  • Die Straße Hallesches Ufer wird zurückgebaut und der motorisierte Verkehr wird komplett auf die Südseite des Landwehrkanals verlegt. Auf der Nordseite des Kanals entsteht eine grüne Promenade für Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen, zum Schlendern und mit Zugang zum Wasser.
  • Die Schaffung/Berücksichtigung neuer Grünflächen, auch auf Privatgeländen z.B. bei der Entwicklung des RAW Geländes.

Diese und weitere Vorschläge aus der Studie werden wir nicht alle sofort umsetzen können. Aber die Studie zeigt den Weg in ein klimagerechtes Xhain.

Erste Klimastraße

Einen Beitrag zum urbanen Klimaschutz leistet die erste temporäre Klimastraße des Bezirks, die im Juli 2020 in der Danneckerstraße eröffnet wurde. Mit 20 Kübelpflanzen wurde der für den Auto- und Radverkehr gesperrte Straßenabschnitt begrünt. Bäume sind die besten Klimaschützer. Sie filtern die Luft, spenden Schatten und verbessern das Mikroklima. Wir müssen den öffentlichen Raum künftig gerechter verteilen. Deswegen freue ich mich, dass hier eine Straße, die von parkenden Autos geprägt war, in einen grünen Freiraum für die Menschen umgewandelt wurde.

Bäume gießen – aber richtig!

Zur Unterstützung der vielen Helfer*innen hat das Bezirksamt dieses Jahr Gießsäcke und Eimer zum Ausleihen beschafft.

Straßenbäume sind wichtig für das Mikroklima, sie spenden Schatten und Windschutz und versorgen pro Baum im Durchschnitt zehn Menschen mit Sauerstoff. Die zunehmende Trockenheit setzt den Bäumen im Bezirk sehr zu. Das Bezirksamt bewässert im steigenden Umfang Straßenbäume und Bäume in den Grünanlagen. Angesichts der großen Trockenheit und des Klimawandels reicht dies jedoch nicht aus. Ich freue mich, dass so vielen Menschen im Bezirk die Straßenbäume so sehr am Herzen liegen und sie die Bäume im Kiez gießen. Zur Unterstützung der vielen Helfer*innen hat das Bezirksamt (als einziger Bezirk) dieses Jahr 1000 Gießsäcke und weiteres Gießequipment z.B. Standrohre zum Ausleihen den Bürger*innen zur Verfügung gestellt.

Alle Informationen zur Bewässerung der Bäume finden sich in unserem Flyer, der in Zusammenarbeit mit dem BUND erstellt wurde. Angesichts der klimatischen Entwicklung ist leider von keiner Besserung der Lage auszugehen. Dauerhaft hilft den Bäumen nur ein klimagerechter Umbau der Infrastruktur mit dezentralem Regenwassermanagement.

Inseln in der Rummelsburger Bucht

Am Eingang der Rummelsburger Bucht befinden sich mit den Inseln Kratzbruch und Liebesinsel zwei ganz besondere Flecken Stadtnatur in unserem dichtbesiedelten Bezirk. Sie stehen unter Naturschutz und dürfen nicht betreten werden. Sie sind ein wichtiger Rückzugsraum für Vögel und für die dort ansässige Biberfamilie. Zum besseren Schutz der Inseln werden daher in diesem und im nächsten Jahr im Auftrag des Bezirksamts Arbeiten zur Renaturierung der Ufer umgesetzt. Durch vorgelagerte Holzpfahlreihen entsteht ein Flachwasserbereich zur Röhrichtentwicklung und die Ufer werden von Wellenschlag geschützt.

Paradiese für Bienen und Schmetterlinge

In Berlin sind rund 322 Wildbienenarten beheimatet. Als Kommune für Biologische Vielfalt setzen wir uns für mehr Lebensräume für bedrohte Arten ein. Es sind Wildbienenflächen im Wriezener Park und in der Baerwaldstraße entstanden. Auf dem kleinen Bunkerberg im Volkspark Friedrichshain wird außerdem ab Frühjahr 2021 ein Lebensraum für Wildbienen und andere Bestäuber mit Blühwiese, Totholzstapel und offenen Sandflächen angelegt. Im Rahmen des Projekts „Biene macht jetzt Schule“ unterstützt das Umwelt- und Naturschutzamt zudem Schulen dabei, auf ihren Schulhöfen Flächen bestäuberfreundlich umzugestalten. Beispielsweise an der Clara-Grunwald-Schule oder an der Ellen-Key-Schule finden Wildbienen und andere Insekten künftig dank Johannisbeersträuchern Nahrung.

Fledermausjahr: Gefährdete Jäger der Nacht

In Berlin leben so viele Fledermausarten wie in keiner anderen deutschen Großstadt. Auch im Bezirk lassen sich besonders in der warmen Jahreszeit bei genauerem Hinsehen viele der fliegenden Säugetiere in den Parks, am Wasser und in den Hinterhöfen zu entdecken. Durch Bildungsangebote und konkrete Maßnahmen weckt das Bezirksamt das Interesse für diese faszinierenden Tiere und verbessert ihre Lebensbedingungen.

Im Sommer fanden regelmäßig Fledermausführungen sowie ein Fledermaus-Aktionstag im Lokschuppen statt. Intensiv mitgewirkt haben daran die beiden Stadtnatur-Ranger*innen, die seit diesem Jahr im Bezirk aktiv sind. Sie informieren die Friedrichshain-Kreuzberger*innen über Tiere und Pflanzen in ihrem Kiez.

Wir bringen zusätzliche Sommerquartiere an und bauen Winterquartiere aus. Ungestörte Übernachtungsplätze und ausreichend Nahrung sind für die gefährdeten Tiere essentiell.

 

Clara Herrmann, Umweltstadträtin für den Stachel Dezember 2020