Neue Ausstellung im Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg

Ab dem 28. November 2009 zeigt das Bezirksmuseum in der Kreuzberger Adalbertstraße die Ausstellung Baustelle Identität. Es ist eine deutsch-französische Koproduktion

Was ist Identität? Jeder Mensch trägt mehrere Identitäten in sich. Als Stadtführer werde ich häufig gefragt, ob ich ein echter Berliner sei. Natürlich bin ich ein echter Berliner. OK, geboren wurde ich im nordgriechischen Thessaloniki. Also dann doch eher Grieche? Ja und nein. Zunächst einmal waren meine Großeltern türkisch sprechende Christen aus den Weiten Zentralanatoliens ohne eine griechische Identität. Mein Vater hingegen bereits ein überzeugter Grieche. Da ich meine mich prägende Jugendzeit im Großraum Dortmund verbrachte, könnte man mich vielleicht auch einen Westfalen schimpfen. Wäre da nicht meine Mutter gewesen, die als Heidelbergerin uns Kindern ihre Liebe zur Kurpfalz einimpfte. Bleiben wir also dabei, dass ich ein echter Berliner bin.

Menschliche Identität als Baustelle des Lebens

Zudem lässt sie sich nicht auf die ethnische oder geographische Herkunft reduzieren. Die Ausstellung Baustelle Identität möchte zeigen, dass persönliche und kulturelle Sichtweisen den Menschen zu einer ganz individuellen Identität verhelfen. Zu einer Identität als Christ, Muslim, Atheist, Mann, Frau, Schwuler, Hetero, Anarchist, Rentner, Schüler etc. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Eine weitere Kernaussage betont, dass eine Identität niemals abgeschlossen ist. Im Laufe der Zeit entwickelt der Mensch neue Identitäten: Die Identität als Baustelle.

Bis zum 31. Januar 2010 besteht die Möglichkeit, die spannende Ausstellung zu besuchen, an deren Verwirklichung Schülerinnen und Schüler, Studierende und Museumsmitarbeiter aus Paris und Berlin beteiligt waren. Das zentrale französische Museum für Migrationsgeschichte, die Cité nationale de l´histoire d´immigration kooperierte beispielsweise mit der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Pariser Designerschule Intuit.Lab. Eine bereits in der französischen Metropole gezeigte Ausstellung zum Thema war ein großer Publikumserfolg. Die Ausstellung in der Kreuzberger Adalbertstraße ist wiederum eingebettet in die deutsch-französische Schau Fremde? Bilder von den “Anderen” in Deutschland und Frankreich seit 1871, die im Deutschen Historischen Museum gezeigt wird. Gewissermaßen als Appetitanreger sei auf die Seite www.immigration-emigration.net verwiesen. Sie bietet einen ersten Eindruck von den zu erwartenden Objekten und Installationen.

Alexander Jossifidis