Quartiersmanagement in Friedrichshain-Kreuzberg

Im Jahr 1999 wurde das Berliner Quartiersmanagement (QM) zur Umsetzung des bundesweiten Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ ins Leben gerufen. Obwohl es immer wieder auch Kritik an einzelnen Stellen und an manchen Maßnahmen gibt, hat es sich in unserem Bezirk inzwischen überwiegend bewährt. Sechs Quartiersmanagementgebiete (Wrangelkiez, Mariannenplatz, Werner-Düttmann-Siedlung, Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße, Wassertorplatz und Mehringplatz) wurden bisher hier ausgewiesen. Mit ihnen soll das lokale Lebensumfeld und der soziale Zusammenhalt der Bewohner*innen verbessert sowie Folgen gesellschaftlicher Benachteiligung abgemildert bzw. kompensiert werden. Ein integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept bildet die Basis für Beteiligung und Projekte. Bestehende Aktivitäten und Initiativen werden gebündelt. Die Bewohner*innen partizipieren u.a. über Quartiersräte bzw. QM-Teams. Diese wiederum wirken als Multiplikatoren in den Bezirk hinein. Mit zusätzlichen Mitteln für die Quartiere werden Angebote vor Ort und Hilfe zur Selbsthilfe finanziert. Kleinere Aktionen werden durch den sogenannten Aktionsfonds ermöglicht. In den zentralen Handlungsfeldern Bildung, Arbeit, öffentlicher Raum sowie Nachbarschaft und Beteiligung entstehen damit neue Projekte, während bestehende weiter gefördert werden. Bezirk und Senatsverwaltung unterstützen durch Gebietskoordinator*innen vor Ort. Und auch Vermieter*innen werden in diese Gemeinschaft einbezogen und stellen z. B. Infrastruktur, wie Räumlichkeiten, zur Verfügung.

Aufgebaute Strukturen verfestigen

Das Programm „Soziale Stadt“ ist eine zeitlich begrenzte Interventionsstrategie. Aber die Erfolge des Quartiersmanagements sollen auch über die Förderzeit hinaus gesichert werden. So endete im Dezember 2015 nach 16 Jahren das Quartiersmanagement „Wrangelkiez“. Dem voraus gegangen war eine zweijährige Übergangsphase. Um einen systematischen Übergang zu gewährleisten, entwickelt das Quartiersmanagement-Team seit 2011 eine aufwändige Verstetigungsstrategie, um aufgebaute Strukturen weiter zu festigen. So wurden zum Beispiel das Familien- und Nachbarschaftszentrum als Anlaufstelle und Netzwerkknoten, die Bildungsinitiative „Wrangelkiez macht Schule“ sowie die Stadtteilkommunikation weiter gestärkt. Damit wurde der Wrangelkiez zum Vorreiter für das Berliner Quartiersmanagement-Verfahren.

QM „Mariannenplatz“ und „Werner-Düttmann-Siedlung“

Inzwischen liegt ein vom Senat beauftragtes Gutachten zur Verstetigungsreife für weitere QM-Gebiete vor, darunter auch für das QM „Mariannenplatz“ und das QM „Werner-Düttmann-Siedlung“. Hiernach ist für beide Gebiete die Überleitung in die Verstetigung möglich, sodass diese Ende 2020 aus der Sonderförderung entlassen werden. Was dies für die beiden Quartiere im Einzelnen bedeutet, welche Maßnahmen bis zum Ende des Programms durchzuführen sind und inwieweit der Bezirk hier unterstützen muss, möchten die grünen Bezirksverordneten in Gesprächen mit den Quartiers–Teams erfahren. Im Herbst wird es deshalb ein Treffen mit den Akteur*innen geben. Für das QM „Mariannenplatz“ ist die Ausweitung und Verstetigung des Gemeinwesennetzwerks ZKO (Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße) auf die Akteur*innen des Mariannenplatzes im Gespräch. Die Finanzierung sowie die Verlängerung des Vertrages für das Stadtteilzentrum „Familiengarten“, welches Räumlichkeiten für zukünftige Bewohner*innenrunden zur Verfügung stellen könnte, muss geklärt werden. Für das QM-Gebiet „Werner-Düttmann-Siedlung“ weist das Gutachten die Verstetigung der Projekte Elhana Lernpatennetzwerk und die Erhaltung der Personalstelle im „Dütti-Treff“ aus. Zu klären ist unter anderem auch die Fortführung des Bildungsnetzwerks.

Gute Aussichten

Nach erfolgreichem Abschluss des Quartiersmanagements „Wrangelkiez“ stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Verstetigung der Projekte „Mariannenplatz“ und „Werner-Düttmann-Siedlung“ ebenfalls erreicht werden kann. Auch wenn jedes Gebiet natürlich seine eigenen Bedingungen und Erfordernisse aufweist. Mit Blick auf die gelungenen Projekte, wie das Bildungsnetzwerk oder die „Berufsorientierung im Kiez“ im Quartier Mariannenplatz und das Lernpaten-Netzwerk für Grundschulkinder sowie den Nachbarschaftsverein Bildungsbaum e.V. im Quartier „Werner-Düttmann-Siedlung“, hat Friedrichshain-Kreuzberg jedoch bereits jetzt deutlich vom Konzept der Quartiersmanagements profitiert.

Claudia Schulte und Andreas Weeger, Bezirksverordnete für den Stachel August 2018