Quote oder Kanzlerin?

Grüne Köpfe im Bezirk Katrin Schmidbergers Weg in der bündnisgrünen Partei

Am Anfang ging alles ganz schnell. Nachdem Katrin von der Basisarbeit bei Greenpeace enttäuscht war, trat sie im Sommer 2000 der Grünen Jugend in ihrem Heimatort Neumarkt bei. Zuvor zog sie jedoch noch, nicht ganz volljährig, in das nahe gelegene Nürnberg.

Nach nur drei Monaten in der Grünen Jugend stand ein Landeskongress an, bei dem ein neuer Landesvorstand gewählt wurde. Eigentlich war Katrin angesprochen worden, Beisitzerin zu werden. Doch es trat eine Situation ein, die leider auch in der altgrünen Partei eintritt: Eine Kandidatin für die Sprecherin-Position sprang ab, die Quote sollte erfüllt werden und so wurde Katrin Schmidberger nach nur drei Monaten Parteizugehörigkeit Landesvorsitzende der Grünen Jugend Bayern.

Wenn mensch sich nun ihren weiteren Werdegang in den nächsten Jahren betrachtet, könnte der Eindruck entstehen, dass die Dynamik “Quotenfrau” angehalten hätte: Kaum ein Jahr später trat Katrin auch schon wieder von ihrem Landesvorsitz zurück. Der Bundeskongress der Grünen Jugend hatte sie 2001 zur Beisitzerin im Bundesvorstand gewählt. Drei Jahre blieb Katrin im Bundesvorstand, zwei als politische Geschäftsführerin. Ihr Abitur hatte sie inzwischen absolviert, begonnen Sozialwissenschaften zu studieren und war nach Berlin gezogen.

Trotz dieser steilen Parteikarriere ist Katrin nie eine Karrieristin geworden, im Gegenteil. Sie stand und steht zu dem was sie für richtig hält, auch wenn das im Einzelfall weder in der Gesellschaft, noch in der Partei mehrheitsfähig sein sollte. Und als sie dann noch, nach ihrer Zeit im Bundesvorstand der Grünen Jugend, als Wahlkreismitarbeiterin in das Büro Ströbele wechselte, war auch bei ihren KritikerInnen niemand mehr bereit, von Quotenfrau zu sprechen. Im Gegenteil: Katrins Einsatz gilt immer zunächst der Sache, dem politischen Inhalt und der Vision einer gerechteren Gesellschaft. Dabei gibt es wenige, die bei einer 60 Stundenwoche aus Politik, Studium und Job so menschlich, so persönlich bleiben wie Katrin. Kein Wahlkampfstand, keine Landes- oder Bundesdelegiertenkonferenz, bei der Katrin nicht für alle etwas zu trinken und zu essen dabeigehabt hätte. Sie beherrscht aber nicht nur die weiche Kommunikation, sondern kann Dinge auch klar an- und aussprechen. Seitdem sie im November 2006 in den Geschäftsführenden Ausschuss in Friedrichshain-Kreuzberg gewählt wurde, professionalisieren ihre Impulse die Arbeit in dem traditionell eher undisziplinierten, spontanen, improvisierenden Bezirksverband.

Dabei kümmert sich Katrin auch immer noch mit vollem Einsatz um diverse Kiezthemen: Die Kampagne gegen den McDonald´s in der Wrangelstraße, das Revaler Fünfeck mit RAW-Tempel oder die Ini gegen Rechts in Frieke würden ohne Katrin nicht da stehen, wo sie heute sind. Und wie geht es weiter im Leben der erst 25-jährigen Studentin? Nach ihrem Karriereziel befragt, sagt Katrin mit einem tiefgründigen Lächeln nur ein Wort: Bundeskanzlerin.

Boris Jarosch