Umsetzung des “Konzept zur Förderung des Ehrenamtlichen Engagements älterer Menschen”

DS/0682/IV

Mündliche Anfrage



Schriftliche Beantwortung der mündlichen Anfrage.

1) Was folgte bisher aus dem bezirklichen „Konzept zur Förderung des Ehrenamtlichen Engagements älterer Menschen“? Wie ist der Umsetzungsstand?

In der Zeitspanne 2011 (Beschluss d. Konzeptes) bis heute ergibt sich zusammengefasst folgender Verlauf:

Die bisherige Entwicklung macht den weiteren Öffnungsprozess erkennbar und umfasst mit dem breiteren Verständnis von bürgerschaftlichem Engagement viele Themen- und Aufgabengebiete. Durch die verstärkte Zusammenarbeit mit der FreiwilligenAgentur Friedrichshain – Kreuzberg wird dem Rechnung getragen.

Mit einem gemeinsamen Sprechstundenangebot einer Mitarbeiterin der FreiwilligenAgentur und eines Mitarbeiters des Bereichs „Senioren- und Stadtteilangebote“ seit Anfang März 2011 wurde das Ziel der Aktivierung und Förderung bürgernah und barrierefrei umgesetzt. Interessierte werden über viele Engagementfelder, vor dem Hintergrund von nahezu 165 Projekten,
beraten und informiert.

Die Sprechstunden finden jeweils dienstags in der Zeit von 10.00-12.00 Uhr und donnerstags in der Zeit von 14.00-16.00 Uhr statt.
Unter Hinweis auf das Feedbackpapier der FreiwilligenAgentur (08/2012), das die bisherige Zusammenarbeit erfasst, ergibt sich folgendes Bild:

Die unmittelbare Nähe des Beratungsangebotes zum Bürgeramt erwies sich als günstig, zumal auch Wartende die Möglichkeit zur Beratung nutzten. Dies kommt durch einen relativ hohen Anteil von Beratungen zum Ausdruck (12,5% der Beratungen erfolgten im Rahmen dieses Angebotes, die aktuelle Statistik weist für das komplette Berichtjahr 2012 sogar eine Steigerung auf 14% aus).
Für die Personengruppe der Älteren lag der Anteil über dem Mittelwert der vergangenen Jahre und erreichte das Niveau von 13% der Beratenen.

Damit entspricht der Anteil der Senioren und Seniorinnen in der Beratung ungefähr ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in F-K. Darüber hinaus gestaltete sich die Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen Gewinn bringend, was zu besseren gegenseitigen Informationen führte und zu weiteren intergenerativen Aktionen. Als Beispiel kann der nunmehr jährlich etablierte Sperrgutmarkt genannt werden (Erstveranstaltung im September 2011, an der auch Kiezmentor_innen eingebunden waren).

In diesem Jahr findet der Sperrgutmarkt am 1.Juni an den Standorten Südstern und Spreewaldplatz statt. Für den 28.September ist ein weiterer Sperrgutmarkt (Südstern) geplant. An dieser Aktion nimmt auch regelmäßig der Bereich “Senioren- und Stadtteilangebote“ teil. Im Bereich des Ehrenamtlichen Dienstes (EaD) des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg wurden in dem Betrachtungszeitraum insgesamt vierzehn neue Mitglieder aufgenommen, von denen drei einen Migrationhintergrund haben.

Zur Zeit verfügt der Ehrenamtliche Dienst über 142 Mitglieder. Eine weitere interessierte Seniorin mit Migrationshintergrund, die sich für eine Mitarbeit im EaD beworben hat, soll die aktive Arbeit in einer Migrant_innengruppe in einer Begegnungsstätte unterstützen. Leider ereigneten sich aber auch in der Zwischenzeit einige Austritte, z.B. aus gesundheitlichen Gründen und/oder durch grundlegende Veränderungen der persönlichen Situation. Nach wie vor
erfolgen persönliche Gespräche mit interessierten Älteren, entweder vor Ort oder hier während der Sprechstunden.

Sowohl die bezirkliche Seniorenvertretung als die Leiter_innen der Begegnungsstätten und weiterer Stätten sind bei der Suche eingebunden.
Erfreulicherweise sind alle im Konzept genannten besonderen Tätigkeitsfelder fester Bestandteil des ehrenamtlichen Engagements geblieben. Die Räume der kommunalen Begegnungsstätte Falckensteinstraße konnten darüber hinaus für ein weiteres ehrenamtliches Projekt für obdachlose Menschen zur Verfügung gestellt werden.

Abschließend muss angemerkt werden, dass viele aktive engagierte Seniorinnen und Senioren, die sich zum Beispiel im Begegnungsstättenbereich durch vielfältige Beiträge einbringen, nicht immer feste Verpflichtungen eingehen wollen, sondern nach dem Prinzip „Situativ Zeit schenken“
aktiv mitwirken.

2) Wie bildet sich die Vielfalt im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg auch bei den Ehrenamtlichen ab? Wie ist die Zusammensetzung?

Wie voran gestellt dargestellt, konnte in unserem Bezirk ein breites, auch multikulturelles bürgerschaftliches Engagement auf den Weg gebracht werden.
Am Beispiel des Ehrenamtlichen Dienstes wird dies deutlich. Ca. 10% der aktuellen Mitglieder des Ehrenamtlichen Dienstes (142) haben einen Migrationshintergrund (d. h. haben bulgarische, italienische, montenegrinische, polnische, russische, spanische, türkisch/griechische Wurzeln).

Hervorzuheben ist, dass hierbei der Anteil von Frauen mehr als 80% beträgt.
Im Bereich des Einsatzschwerpunktes „Begegnungsstätten“ (BGS) sind derzeitig 30 Mitglieder des EaD (Neubewerbungen nicht mitgerechnet) aktiv tätig, davon haben 10 einen Migrationshintergrund. Als aktuelles Beispiel kann in einer BGS der Aufbau eines Angebots (Nähkurs) ehrenamtlich tätiger älterer türkischer Frauen, das dem Selbsthilfegedanken Rechnung trägt und ein gelebtes „nachbarschaftlichen Miteinander“ verdeutlicht, genannt werden.

Insbesondere Jüngeren soll konkretes Fachwissen vermittelt werden. Die Vernetzung im Kiez wird weiter ausgebaut; Mitgliedschaft im Quartiersrat besteht bereits. Im Bereich des Einsatzschwerpunktes Sozialkommissionsarbeit sind derzeitig 96 Aktive tätig, davon haben 4 Mitglieder einen Migrationshintergrund.

Dieses multikulturelle Bild von engagierten Seniorinnen und Senioren lässt sich auch am Beispiel der bezirklichen Seniorenvertretung verdeutlichen. Von 16 Mitgliedern haben 4 einen Migrationshintergrund, bei den Nachrückern sind es 3. Als weitere Beispiele von Orten ehrenamtlichen multikulturellen Engagements sind der Familiengarten in der Oranienstr.34 und das AWO Begegnungszentrum in der Adalberstr.23a) zu nennen (u.a. Dober Dan-Gruppe, Spanier_innengruppe).

3) Wo werden Seniorinnen und Senioren als Mentorinnen und Mentoren eingesetzt?

Fertigkeiten und Fähigkeiten älterer erfahrener Menschen werden geschätzt, das zeigen folgende Beispiele:

Begegnungsstätte Falckensteinstr. 6 Hier wirken sie im intergenerativen „Gartenprojekt“ als Mentorinnen und Mentoren. An dem Gartenprojekt
nehmen ca. 5 Ältere kontinuierlich teil, hinzu kommen 3 weitere bürgerschaftlich Aktive. Neben dem konkreten Wissenstransfer von „gärtnerischen/botanischen“ Kenntnissen vermitteln sie Vorschulkindern auch konkrete Sprachkenntnisse. (Ca. 90% dieser Kinder haben einen Migrationshintergrund).

Ähnliche generationsübergreifende Projekte (z.B. Kreativgruppen) wurden auch in den Begegnungsstätten Charlottenstr. 85, Kadiner Str.1 und Gitschiner Str. 38 ins Leben gerufen. In den BGS Falckensteinstr.6 und Charlottenstr.85 wurden bestehende Angebote weiterentwickelt (mehr Eigenständigkeit, erweiterter Personenkreis, zusätzliche Angebote). Seit 2011 wurden die intergenerativen Angebote u.a. folgendermaßen ausgebaut :         

Begegnungsstätte Charlottenstr. 85:
Im Vergleich zu 2011 hat sich das Angebot „Stunden der Gemeinschaft“ weiter verfestigt. Hinzu gekommen sind zwei weitere Kreativangebote. Derzeitig sind insgesamt 11 Senior_innen in dem Bereich eingebunden.

Begegnungsstätte Gitschiner Str. 38:
Dort sind wöchentlich 2 Angebote, gemeinsam mit der Otto-Wels-Grundschule und der Kita „Siebenschläfer“, aufgebaut worden, an denen bis zu 15 Senior_innen pro Angebot teilnehmen. Davon haben ca. ein Drittel einen türkischen/ griechischen Migrationshintergrund. Anzumerken ist, dass alle der beteiligten Kinder einen Migrationshintergrund haben. Aktuell soll mit den Kindern der Kita unter dem Motto „Natur sehen und erleben – Erfahrungswissen älterer Menschen an Kinder weitergeben“ u. a. die Pflege eines gemeinsamen Gartens und gemeinsame Ausflüge (Themenschwerpunkte Tiere und Pflanzen bzw. gesunde Ernährung) neu installiert werden.

Auch dabei ist die sprachliche Förderung integrierter Bestandteil. Bei dem intergenerativen Angebot mit der Otto-Wels-Grundsschule werden die ca. 15 Schüler_innen (mit Migrationshintergrund) von einer Lehrkraft begleitet. Auch werden die beteiligten Senior_innen von Lehrer_innen der Grundschule zu Veranstaltungen abgeholt. Derzeitig werden ein gemeinsames intergeneratives Tanzprojekt bzw. gemeinsame Theateraufführungen geplant. Angedacht sind ferner intergenerative Aktionen im Böcklerpark (mögliche Beteiligung: Statthaus
Böcklerpark).

Begegnungsstätte Kadiner Str.1:
Im Laufe des Jahres 2012 konnte in der Kadiner Str.1 ein Singprojekt mit Kindern aus dem benachbarten Regenbogenhaus installiert werden. Ergänzend dazu wurde vor kurzem eine Mal- und Zeichengruppe ins Leben gerufen. Die Teilnehmer_innenzahlen sind noch schwankend, in der Regel ist von 5-10 beteiligten Senior_innen auszugehen. Die Planung und Steuerung für die weiteren 3 kommunalen Begegnungsstätten schließt ebenfalls die Etablierung ähnlicher Projekte ein.

Nachfragen:

1) Sind Kompetenzteams gegründet worden? Wenn ja, wer gehört ihnen an und wie wird zusammengearbeitet?

Dazu gab es immer wieder (Vor-)Gespräche, jedoch noch keine konkrete Umsetzung. Zur Zeit werden Gespräche mit der Seniorenvertretung geführt, mit dem Ziel, Kompetenzteams zu bilden. KomZen soll grundsätzlich eingebunden werden, diese Einbindung konnte jedoch bisher zeitlich noch nicht realisiert werden. Ein weiteres Ziel ist die stärkere Vernetzung des Bereichs „Seniorenund Stadtteilangebote“ mit den Sonderkommissionen.

2) Wurden Migrantenorganisationen eingebunden oder eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gemacht, um die Zugänge für ältere Zuwanderer_innen zu den Möglichkeiten der Teilhabe und ehrenamtlichen Tätigkeiten zu verbessern?

Im monatlich erscheinenden Veranstaltungskalender des Bereichs „Senioren- und Stadtteilangebote“ wird um Interessierte geworben, die sich für Andere engagieren möchten. Über den breitgefächertem Verteiler werden diese Monatsbroschüren auch an Einrichtungen/Institutionen mit Migrationsschwerpunkt verschickt.

Neben der Schriftform der Öffentlichkeitsarbeit wird seit 2011 verstärkt versucht, über persönliche Ansprache, Multiplikatoren (vor allem solche, die dieselbe Sprache sprechen) und durch gezielte Veranstaltungen für BewohnerInnnen mit Migrationshintergrund, die Teilhabe zu verbessern und
für ehrenamtliches Engagement zu werben. Es haben sich Kooperationen entwickelt, z.B. mit dem Quartiersmanagement, oder neue sind im
Aufbau, z.B. im Mehringkiez mit den Akteuren Femia e.V. und MINA e.V., die diese Entwicklung unterstützen werden.

Seit 2011 wurde vom Bereich „Senioren- und Stadtteilangebote“ 2x jährlich eine Zusammenkunft für Einrichtungen mit Angeboten für Ältere installiert. Ein fester Bestandteil ist auch ein Austausch zur aktuellen Situation. Das Thema Ehrenamt/bürgerschaftliches Engagement spielt immer eine Rolle bei dem vierteljährlichen Treffen des NKM (Netzwerk Kulturarbeit älterer Menschen/Schwerpunkt Migrant_innen).

Mit der Referatsleiterin für Bürgerschaftliches Engagement in der Türkischen Gemeinde in Deutschland besteht nicht nur Kontakt, sondern auch gute Zusammenarbeit. Darüber hinaus sei auf die regelmäßigen Runden mit dem KomZen hingewiesen.

Mit freundlichen Grüßen
Knut Mildner- Spindler

Friedrichshain-Kreuzberg, den 24.04.2013
Bündnis 90/Die Grünen
Fragesteller*in: Fadime Topaç