Die Jugend kämpft gegen den Klimawandel

Fridays for Future

Noch vor ein paar Wochen versagten Megafon und Soundanlage. Eine überschaubare Schar an Schüler*innen war gekommen. Doch die Organisator*innen ließen keinen Zweifel, warum sie hier sind. Mit Sprüchen wie „hopp, hopp, hopp, wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ versuchte man sich einzuheizen, mit dem Ziel das Klima abzukühlen. Mittlerweile ist die Kundgebung am Invalidenplatz vor dem Altmaier-Ministerium eine feste Institution geworden. Leider. Zwar lassen sich die Kanzlerin und der Minister zu Lippenbekenntnissen hinreisen, wie wichtig das Engagement der jungen Menschen sei. Aber ein klares Signal, dass die Zeichen der Zeit erkannt worden wären, lässt zu wünschen übrig. Indes wächst die von Kindern und Jugendlichen getragene Bewegung weltweit in über 100 Ländern, die zurecht um ihre Zukunft bangen.

Immer extremere Wetterphänomene, auch hier im gemäßigten Europa: die Dürre letztes Jahr, die Stürme und Wasserfluten im Jahr zuvor. Oder ganz aktuell der Zyklon Idai im südlichen Afrika, wo eine Hungersnot durch Ernteausfälle droht. Leidtragende sind immer wieder die Schwächeren in der Gesellschaft.

Mittlerweile hat Deutschland den UN-Vorsitz inne und könnte die Agenda für einen Monat auf „Klimawandel bekämpfen“ setzen. Doch die Kohlekommission mit ihrem Kompromiss, einen der schmutzigsten Energieträger bis 2038 weiter zu verstromen, kann als Armutszeugnis der jetzigen Regierung gewertet werden. Ebenso brachte die Verkehrskommission unter Auto-Minister Scheuer keine engagierten Ergebnisse hervor und dem Klimakollaps wird – wenn überhaupt – nur halbherzig Rechnung getragen.

Zurück bleibt dann eine Generation, die mit dem Desaster klarkommen muss. Darum gehen die jungen Menschen vielerorts zu tausenden, ja zehntauschenden freitags als „Fridays for Future“ auf die Straßen. Unterstützung finden sie mittlerweile durch 23.000 Wissenschaftler*Innen im deutschsprachigen Raum als „Scientists for Future“ oder Eltern (Parents for Future) oder Großeltern (Grandparents for Future) oder Lehrer*Innen (Teachers for Futures) oder Landwirt*Innen (Farmers for Future) oder … [https://fridaysforfuture.de/]. Leider können die Kids ihr Kreuzchen erst in späteren Legislaturperioden setzen. Doch dann wird es zu spät sein und wir haben die kritischen Kipppunkte unweigerlich passiert, bei denen das Klima-Rad nicht mehr zurückgedreht werden kann.

Das ist auch der Grund, warum ich mich als Vater von einer anderthalbjährigen Tochter unter die Demonstranten mische. Sie hat noch keine Ahnung von dem, was wir ihr hinterlassen werden. Deswegen mache ich mich für ihre Zukunft stark.  Nach den weltweit orchestrierten Demonstrationen mit 1,6 Millionen Teilnehmern fand am 29.3. wieder eine Kundgebung und Demo durch das Regierungsviertel mit ca. 25.000 vor allem jungen Teilnehmer*innen statt. Immer wieder waren andere Sprachen zu hören. Da war eine Schülerin aus Großbritannien, die sich nicht vom gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel vom drohenden Brexit auseinander dividieren lässt. Oder eine Schülerin aus Polen, die endlich wieder Mut schöpft die polnischen Bürger*innen zu überzeugen, dass der Kohlestrom nicht zur polnischen DNA gehört.

Ich habe auf Demos noch nie über so viele Köpfe hinweg geschaut. Ein Gewusel und Durcheinander. So viele selbstgemalte, bunte, kreative Plakate. Eine Lautstärke. Schrille Sprechchöre: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“ oder „Ein S-U-V ist kein Menschenrecht“ oder die „… baggern in der Ferne…“ oder … Man nimmt es ihnen ab, dass es um ein fundamentales Anliegen geht.

Mittlerweile haben die Schüler für „Fridays for Future“ klare, ambitionierte Forderungen formuliert, mit welchen Instrumenten die Regierung das 1,5°-Ziel noch erreichen kann. Unter anderem mit der Vorgabe, dass dieses Jahr noch ein Viertel der Kohlekraftwerke vom Netz gehen sollen. Solange die Regierung diesen Forderungen nicht nachkommt, heißt es für ALLE, freitags auf dem Invalidenplatz demonstrieren.

Roland Bege für den Stachel Mai 2019