Mehr städtischer Wohnraum am Halleschen Ufer

Mehrere Jahre wurde über die Zukunft des Areals rund um das alte Postcheckamt am Halleschen Ufer gestritten. Als Ergebnis von zahlreichen Verhandlungen konnte der Bezirk erreichen, dass die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft degewo mehr Flächen für preiswerten Wohnraum erhält. Jetzt wurde die letzte Hürde im Bebauungsplanverfahren genommen.

Seit langem wurde um die geplante neue Bebauung am Halleschen Ufer gerungen. Der grüne Baustadtrat Florian Schmidt setzte sich mit Rückendeckung der grünen Fraktion dafür ein, dass die Pläne von Christoph Gröner und seiner damaligen CG Gruppe überarbeitet werden mussten. Nach mehreren Gesprächsrunden zwischen Bezirksamt, Senat und Investor konnte Anfang 2019 dann ein Ergebnis erzielt werden. In der Folge übernimmt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft degewo den kompletten Bereich an der Nordseite des Postscheckgeländes. Entstehen sollen dort rund 320 Wohnungen. Den Großteil hiervon wird zu Mietpreisen um die 6,50 Euro pro Quadratmeter angeboten, die restlichen zu Kosten bis maximal zehn Euro. So wurde eine Verdoppelung des preisgünstigen Wohnungsneubaus im Vergleich zu den Plänen des Investors zuvor erreicht.

Postcheckamt, mit Radstreifen im Vordergrund
(c) ha

Perspektiven

Die Südseite des Geländes wird nach dem Ausstieg der CG Gruppe durch die private Art-Invest Real Estate Gruppe bebaut. Hier ist hauptsächlich eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. Das gilt auch für die zukünftige Nutzung des bestehenden Hochhauses. Das ursprünglich von der CG Gruppe geplante hochpreisige Luxuswohnen auf Zeit im Bestandshochhaus gegenüber des U-Bahnhofs Möckernbrücke konnte verhindert werden. Diese Planung ging am Bedarf im Kiez vorbei und wurde von grüner Seite scharf kritisiert. Das Hochhaus bleibt nun was es war und wird auch zukünftig für Büros genutzt.

Ende November hat der Stadtentwicklungsausschuss des Bezirksparlaments die sogenannte Planungsreife des Bebauungsplans festgestellt. Das heißt, dass nun der seit mehreren Jahren erstellte Bebauungsplan Grundlage für Bauanträge sein kann. Damit ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen. Denn gerade in Sachen Umwelt- und Naturschutz sind offene Fragen im weiteren Verlauf noch klären. So ist z.B. im städtebaulichen Vertrag zum Areal die Verpflichtung festgeschrieben, dass vor Baubeginn sowie vor Abrissmaßnahmen und Sanierungsmaßnahmen am Hochhaus erneut auf das Vorhandensein von Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Vögeln und Fledermäusen durch Gutachter erfolgen muss. Grüne Forderung ist, dass Ersatz für die bestehenden Habitate geschaffen wird.

 

Julian Schwarze, Fraktionssprecher für den Stachel Dezember 2020